Soziale Netzwerke - Sucht oder Segen?

Definition: Sucht

Als Sucht bezeichnet man das Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand und nach Substanzen, die Missempfindungen vorübergehend lindern und erwünschte Empfindungen auslösen. Das Verlangen zeigt sich dabei stärker wie der Verstand und dominiert letztendlich. Heutzutage spricht man auch häufig von einer „Abhängigkeit“ nach bestimmten Stoffen oder Verhaltensweisen, die sich beim Absetzen des Suchtmittels körperlich durch Entzugssymptome äußern können. Der Betroffene befindet sich in einem Zustand seelischer Unfreiheit. Auch wenn negative Folgen aus dem Verhalten für den Betroffenen und seine Mitmenschen entstehen, wird die Verhaltensweise beibehalten und die Substanz weiter konsumiert. Irgendwann setzt ein zwanghaftes Verhalten ein, das den Anfang der Sucht darstellt. Oft resultiert die Sucht als Folge eines mangelnden Selbstvertrauens und aus Minderwertigkeitsgefühlen.

Grundsätzlich kann jeder Mensch süchtig werden. Da Sucht nicht auf den Umgang mit bestimmten Stoffen beschränkt ist, kann jede Form menschlichen Verhaltens zur Sucht werden. Eine Sucht ist auch nicht steuerbar! Ohne ein Suchtmittel haben die Personen das Gefühl, nicht mehr lebensfähig zu sein und es nicht mehr zu ertragen. Sie benötigen das „Mittel“ unbedingt wieder.

Die Übergänge zu einem süchtigen Verhalten – angefangen bei Genuss, Konsum, Missbrauch, Gewöhnung und mündend in eine Abhängigkeit – sind fließend, bauen aber nicht zwingend aufeinander auf.

Oft dient die Sucht entweder zur Herstellung oder zur Vermeidung eines bestimmten emotionalen Zustandes. Diesen Zustand können die Süchtigen selbst aber nicht mehr bewusst mit dem Gehirn steuern. In erster Linie ist sie ein psychisches Problem, bei dem schnell auch körperliche, seelische und soziale Folgen auftreten. Durch die Sucht werden Beziehungen zerstört, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit wird beeinträchtigt und die Kontrolle über das eigene Verhalten lässt mehr und mehr nach.

Sowohl der Weg in die Abhängigkeit als auch der Weg heraus sind ein Entwicklungsprozess, der nicht von heute auf morgen geschieht, sondern ein komplexes Geschehen mit unterschiedlichen Phasen darstellt. Deshalb bezeichnet man Sucht auch als eine Krankheit, die einer Behandlung bedarf. Die meisten Betroffenen erkennen aber oft erst sehr spät, dass sie ein Problem haben, und holen sich meist erst dann Hilfe, wenn es schon fast zu spät ist.

 

Definition der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte den Begriff „Sucht“ 1957 folgendermaßen:

 

Sucht ist „ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch vier Kriterien:

• Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,

• eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung),

• die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge,

• die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft.“

 

Definition: Internetsucht bzw. Sucht nach sozialen Medien

Bislang ist der Begriff der Internetsucht umstritten und nicht als eigenständige Krankheit eingeordnet. Auch von der Weltgesundheitsorganisation ist die Internetabhängigkeit noch nicht als Verhaltenssucht anerkannt. Bisher streiten sich Experten noch darüber, ob die Erscheinungen ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen und somit eine Eigendefinition und Bezeichnung verdient oder ob sich eine Onlinesucht aus vorbelasteten Komponenten bildet.

Trotzdem kann man diese Sucht oder Abhängigkeit nach dem Internet und sozialen Netzwerken klassivizieren und einordnen:

 

„Unter Internet- und Computerspielsucht wird ein Mediennutzungsverhalten mit Krankheitswert verstanden, bei dem die Symptome einer psychischen Abhängigkeit erlebt werden, ein klinisch relevanter Leidensdruck aus dem Verhalten resultiert und das Verhalten trotz negativer Konsequenzen aufrechterhalten wird.“

(Rehbein, Mößle, Arnaud & Rumpf, 2013 (im Druck))

 

Forscher der Universitäten Bonn und Mannheim sind der Meinung, dass ein Mensch dann als internetsüchtig gilt, wenn er nicht mehr ohne das Internet und die Onlinemedien auskommt und wenn seine Persönlichkeit auch abseits des Computers durch die Abhängigkeit geprägt ist. Stundenlang surft er im Internet, spielt Onlinespiele oder besucht die Seiten sozialer Netzwerke. Der Süchtige schafft es dabei nicht mehr, seine Zeit im Netz zu begrenzen oder auf das Internet zu verzichten. Aktivitäten außerhalb der virtuellen Welt finden kaum mehr statt, die Betroffenen ziehen sich oft von anderen Menschen zurück und vernachlässigen ihren sonstigen Alltag.

 

Die Sucht nach sozialen Netzwerken unterscheidet sich nicht von anderen Süchten, wie zum Beispiel der Alkoholsucht. Viele Forscher behaupten sogar, dass die Internetsucht und im Speziellen die Sucht nach Social Networks ein höheres Suchtpotential darstellen würde als klassische Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten. Demnach kann sich auch der Gebrauch des Internets und sozialer Netzwerke zu einer Krankheit entwickeln, die es zu behandeln gilt. Die übermäßige Nutzung dieses Mediums kann auch, wie bei Drogen und Alkohol, zu schändlichen Folgen führen.

 

Zahlen und Fakten zur Sucht nach sozialen Netzwerken

Die Online-Sucht – und damit auch die Sucht nach sozialen Netzwerken – ist ein noch sehr junges Phänomen, das erst durch die Erfindung des Internets und dem Zugang der Massen zu diesem Medium entstanden ist. Die Onlinesucht wird auch immer mehr zum Massenphänomen.

 

Studie der Drogenbeauftragten der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit (2011)

Die Fülle an sozialen Netzwerken!
Die Fülle an sozialen Netzwerken!

Um dieses Phänomen zu erforschen und detailliertere Informationen zu erhalten, gab die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, 2011 in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit eine Studie in Auftrag, nach der 560.000 Deutsche zwischen 14 und 64 Jahren als internetsüchtig gelten sollen. Dies stelle ein Prozent der Bevölkerung dar und sei vergleichbar mit der Zahl der Cannabis-Abhängigen. Vor allem Jugendliche können laut diesem Bericht schnell internetsüchtig werden und leben dann die meiste Zeit nur noch in der virtuellen Welt. Im Extremfall ziehen sie sich aus dem wirklichen Leben vollkommen zurück. Internetsüchtige würden am Tag durchschnittlich vier Stunden im Netz verbringen. Mädchen zwischen 14 und 16 seinen demnach am häufigsten von der Sucht betroffen (4,9 Prozent der Befragten). Bei ihnen sei die Sucht sehr auf soziale Netzwerke bezogen (77 Prozent). Mädchen und junge Frauen sind vermutlich besonders empfänglich für die Bestätigungen, die man dort findet. Sie denken ständig daran, was gerade im Netz passiert, denn dort fühlen sie sich eingebunden. Sie nutzen das Netz, um mitreden zu können, wodurch auch ein Druck innerhalb des Freundeskreises aufgebaut wird. Bei den gleichaltrigen Jungen seien 3,1 Prozent als abhängig einzustufen, wobei bei Jungen eher eine Sucht nach Onlinespielen oder andere Computerspielen bestehe. Mit zunehmendem Alter steige das Suchtrisiko nach sozialen Netzwerken allerdings bei Männern. Ledige, arbeitslose Männer sind am anfälligsten für diese Suchterkrankung. Sie verlieren dabei oft den Bezug zur Realität.

Viel größer wie die Zahl der Abhängigen sei jedoch die Zahl der „problematischen Internetnutzer“, denn in Deutschland gelten rund 2,5 Millionen Menschen als gefährdet. Sie sind dann am Tag etwa drei Stunden online. Bei den 14- bis 24-Jährigen werden 2,4 Prozent der Deutschen als internetsüchtig eingestuft. 13,6 Prozent der Deutschen gelten als gefährdet. Die Gefahr ist also sehr groß, in eine Abhängigkeit zu rutschen! Diese Gruppe von Menschen verbringt die meiste Zeit in sozialen Netzwerken und bei Onlinespielen. Beruhigend ist aber, dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer sozialer Netzwerke laut der Studie nicht internetsüchtig ist.

 

Bei der vorliegenden Studie, die von der Universität Lübeck und Greifswald durchgeführt wurde, wurden mehr als 15.000 Menschen im Alter von 14 bis 64 Jahren befragt. Die Internetabhängigkeit wurde dabei über eine Reihe von Merkmalen bestimmt, darunter die Dauer der Internetnutzung, die Pflege von realen sozialen Kontakten und Entzugserscheinungen.

 

Die Studie gibt jedoch einen ersten repräsentativen Überblick über die Häufigkeit der Problemfälle. Vorher gab es demnach nur sehr wenig Daten, sagte die Mechthild Dyckmans. Sie sprach von einer neuen Erkrankung, die noch weiter erforscht werden müsse. Eine Nachfolgestudie soll die Folgen und das Ausmaß der Sucht näher beleuchten. Es wurde auch eine neue Broschüre für Eltern vorgestellt. Diese soll bei der Aufklärung und im Umgang mit internetsüchtigen Kindern und Jugendlichen helfen.

 

Präsentation des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (2013)

In einer Präsentation des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahre 2013 wurde auch über Computerspielsucht und Internetsucht informiert. Die tägliche Zeit, die Jungen und Mädchen demnach 2011 in Social Networks verbracht hätten, betrug bei Mädchen 126 Minuten und bei Jungen 100 Minuten. Diese Zahlen haben sich aber wahrscheinlich in den vergangenen zwei Jahren noch erhöht, unter anderem auch durch mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones. Auch die Ausstattung der Jugendzimmer von 12- bis 19-Jährigen mit Bildschirmgeräten und einem Internetzugang zeigte, dass sich die Zahl der von dieser Sucht betroffenen von 1998 bis 2010 immer mehr gesteigert hat. Auch die Zahl der Personen, die einen Internetanschluss besitzen, stieg mit der Zeit an. Man kann auch hier davon ausgehen, dass sich die Zahlen noch weiter erhöht haben in den letzten Jahren. Es wurde jedoch auch deutlich, dass Mädchen häufiger Aktivitäten im Internet nachgehen als Jungen und deshalb auch am stärksten von einer Social Network Sucht betroffen sind. Bei den Mediennutzungszeiten von internetabhängigen und unauffälligen Jugendlichen in den Klassen 7 bis 10 kann man feststellen, dass die Zeit, die die beiden Gruppen in den sozialen Netzwerken verbringen, weit auseinandergeht. Unauffällige Jugendliche verbringen im Schnitt ca. eine Stunde und 36 Minuten in den Netzwerken, wobei ihre Noten im normalen Maß liegen (zwischen 2 und 3), sie nicht oft die Schule schwänzen und auch gesundheitlich gut situiert sind. Internetabhängige Jugendliche dagegen verbringen im Schnitt 3 Stunden und 55 Minuten in sozialen Netzwerken, ihre Schulnoten liegen meistens zwischen 3 und 4, sie schwänzen viel häufiger die Schule und auch gesundheitlich geht es ihnen meistens schlechter wie ihren gleichaltrigen Mitschülern. Auch die Schlafdauer unterscheidet sich stark, denn diese Jugendlichen schlafen in der Regel 7 Stunden und 21 Minuten, die unauffälligen Jugendlichen schlafen dagegen meistens 8 Stunden und 14 Minuten. Bei den betroffenen Personen kann man häufig ein eingeengtes Freizeitprofil erkennen und wenige Erfolgserlebnisse im realen Leben. Daraus resultiert auch eine erhöhte soziale Einsamkeit. Viele erhalten nur wenig familiäre Zuwendung.

Gründe für eine Sucht

Selbstmarketing

Soziale Netzwerke sind heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Viele Menschen wollen sich in den sozialen Netzwerken selbst gut darstellen und betreiben deshalb ein Selbstmarketing im Netz. Dieses kann sehr zeitaufwendig sein und es verlangt eine gewisse Disziplin. Wenn man sich eine Strategie ausgedacht hat und weiß, welche Eigenschaften des eigenen Charakters man hervorheben will, dann muss man mit der Umsetzung beginnen und sicherstellen, dass der Online-Ruf positiv bleibt und dass die Zahl der Freunde und „Follower“ steigt. Auch alte und neue Beziehungen müssen aufrechterhalten werde, der Status und das Profil müssen immer aktuell bleiben und man muss sich ständig darüber informieren, was andere so ins Netz stellen, was angesagt ist und wie ihre Selbstmarketingstrategien aussehen. Wenn das Marketing erfolgreich ist, dann haben wir immer mehr zu tun und verbringen dementsprechend immer mehr Zeit im Netz. Da der Zugang zu den Netzwerken leichter, mobiler und schneller als je zuvor ist, wird es den Usern noch einfacher gemacht, mal schnell über das Smartphone oder den Tablet PC ins Internet zu gehen und den Status der Freunde zu überprüfen oder anderen Freunden den eigenen Standort mitzuteilen. Viele laden auch selbst Fotos oder Videos hoch, aktualisieren ihren Status, überprüfen ihre Mails oder schreiben mit anderen Usern. Jeden Tag werden dort allein in Deutschland Milliarden Informationen ausgetauscht. Gerade dort steckt auch ein erhebliches Gefahrenpotential, das es nicht zu unterschätzen gilt. Andere Freunde oder Personen kennen dann zu jedem Zeitpunkt meinen aktuellen Standort.

 

„Ich bin immer online und erreichbar!“

Durch den ständigen „Online-Status“ ist man auch jederzeit erreichbar, was man heute als „Always-On-Lifestyle“ bezeichnet. Einerseits bietet es Vorteile, da man sein Profil besser pflegen kann und immer im Bilde ist, was mit dem Profil in der eigenen Abwesenheit passiert ist. Die ständige Zugänglichkeit zum Internet kann jedoch auch viele Gefahren bergen, denn je mehr Zeit man auf den Seiten verbringt, desto höher kann das Risiko werden, dass man eine Sucht entwickelt.

Kurze Wege im Netz, eine stetige Erreichbarkeit und ein leichter Zugang vermitteln auch ein Gefühl von Mobilität und Flexibilität, das leicht zur Sucht führt.

 

Zufluchtsort soziales Netzwerk

Soziale Netzwerke nehmen einen immer größeren Teil des eigenen Lebens ein und für viele stellen sie auch einen Ort der Zuflucht dar, in dem man sich sicher fühlen kann, vor allem weil man selbst bestimmen kann, was man von sich preisgibt und was nicht. Bei intensiver Nutzung können sie auch abhängig machen, da man hier im Gegensatz zum realen Leben eindeutige Rückmeldungen erhält, wie zum Beispiel „gefällt mir“ bei Facebook. Auch kann eine Vielzahl von Onlinekontakten einem das Gefühl geben, einen großen Freundeskreis zu besitzen.

 

„Im Netz geht es mir besser!“

"Hast du mehr Freunde als ich bei Facebook?"
"Hast du mehr Freunde als ich bei Facebook?"

In der virtuellen Welt finden viele Nutzer Erfüllung und Anerkennung, die ihnen möglicherweise im wirklichen Leben nicht zuteilwird und man findet dort Freunde, die man vielleicht im richtigen Leben nicht so schnell und nur in einer deutlich geringeren Zahl finden würden. Viele Nutzer sind durch die Anonymität, die ihnen das Internet bietet, gegenüber der Umwelt offener und es fällt ihnen leichter, Kontakte zu knüpfen.

Facebook, Twitter und Co. bieten den Usern auch das, was Mädchen und junge Frauen suchen, nämlich Bestätigung. Gerade junge Frauen, die schüchtern sind oder ein geringes Selbstwertgefühl besitzen, holen sich über die sozialen Netzwerke die Aufmerksamkeit, die sie im Alltag nicht bekommen – durch Kommunikation. Jungen suchen sich die Bestätigung über Onlinespiele. Durch kostenlose Onlinespiele mit unzählien Schwierigkeitsstufen werde auch Jungen, die gern chatten, zu Facebook gelockt. Durch diesen Facettenreichtum der sozialen Netzwerke könne gleich eine große Masse von Menschen angezogen werden und dadurch auch viel mehr Menschen einer Sucht zum Opfer fallen, als bei anderen Süchten wie Alkohol und Drogen.

 

Symptome und Folgen dieser Sucht

Kriterien zur Erkennung einer Onlinesucht

Das „Deutsche Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters“ (DZSKJ) hat sechs Kriterien zusammengefasst, nach denen man Internetsucht erkennen kann. Die erste Kriterie, an der man Internetsucht erkennen kann, sei demnach, dass man einen starken inneren Wunsch bzw. einen inneren Zwang verspürt, der jeweiligen Aktivität im Internet nachzugehen. Diese kann zum Beispiel Chatten oder auch Onlinesex sein. Eine Steigerung davon ist es, wenn der Beginn, die Dauer und die Beendigung dieser Tätigkeiten nur noch schlecht oder gar nicht mehr kontrolliert werden können, also ein Kontrollverlust vorliegt. Wenn man jedoch auf die Aktivität im Internat verzichten muss, treten Entzugserscheinungen auf, wie zum Beispiel innere Unruhe, Gereiztheit, Aggressivität oder andere deutliche Veränderungen der Gefühle und/oder des Körperempfindens. Der vierte Punkt in der Liste der DZSKJ stellt der immer längere und immensere Gebrauch der Computernutzung dar, um die ursprünglichen Gefühle, wie z.B. ein angenehmes Gefühl der Entspannung usw. zu erreichen. Diese positiven Empfindungen können dann aber kaum noch, nur noch sehr schwer oder nur noch für kurze Zeit erreicht werden. Als fünften Punkt gab das Zentrum die Vernachlässigung oder mangelnde Wahrnehmung anderer Interessen an, da für die Computernutzung ein erhöhter Zeitaufwand nötig ist. Konkret bedeutet dies, dass Aktivitäten in der virtuellen Welt wichtiger werden als diejenigen in der realen Welt. Der letzte Punkt ist die Fortsetzung des Computergebrauchs, obwohl schon schädliche Folgen auftreten.

 

Wenn mindestens drei der sechs Kriterien erfüllt würden, könne eine Computersucht angenommen werden, so das „Deutsche Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters“. In jedem Fall sei jedoch die Grenze der Selbsthilfe erreicht und eine professionelle Unterstützung könnte vonnöten sein.

 

Folgen der Sucht

Gefangen im Netz!
Gefangen im Netz!

Das DZSKJ gibt an, dass entweder psychosoziale oder körperliche Folgen auftreten könnten. Psychosoziale Folgen könnten zum Beispiel Probleme am Arbeits- oder Ausbildungsplatz, in der Schule, Konflikte in der Familie, finanzielle Probleme, Vereinsamung, soziale Isolation usw. sein. Körperliche Folgen könnten zum Beispiel Erschöpfung, Schweißausbrüche, Muskelverspannung, Rückenschmerzen, Abmagerung oder Fettsucht, allgemeine körperliche/hygienische Vernachlässigung, Schmerzen in den Handgelenken und Sehnenscheidenentzündungen sowie Tagesmüdigkeit mit Leistungseinbußen sein.

 

Weitere Folgen sind auch die Einengung des Denkes und Verhaltens. Durch die steigende Anzahl der sozialen Netzwerke entsteht bei vielen Menschen ein gefährliches Suchtverhalten, da sie in immer mehr Netzwerken selbst aktive werden und dafür immer mehr Zeit investieren. Dies führt dann letztendlich dazu, dass sich die Menschen immer mehr aus der realen Welt zurückziehen und in die irreale Welt flüchten, da sie dort Anerkennung und Zustimmung erhalten, die ihnen in der realen Welt oft nicht zuteilwird.

 

Infolgedessen wird der Bezug zur Realität häufig verloren. Die Betroffenen beschäftigen sich auch im Alltag gedanklich ständig mit dem Internet und den sozialen Netzwerken und fühlen sich in seinem Wohlbefinden stark beeinträchtigt, wenn er darauf verzichten muss. Der Alltag der Menschen wird durch die Sucht deshalb vollkommen durcheinandergebracht. Für viele Menschen ist es sehr schwer und eine sehr harte Probe, dem Wunsch zu widerstehen, sich einen Tag lang nicht in ihre sozialen Netzwerke einzuloggen. Sie verspüren einen großen Drang und das innere Verlangen nach dem Netz wird immer stärker. Versuche, selbst aufzuhören, scheitern deshalb meistens.

 

„Könntest du einen Tag ohne Facebook leben?“ – ein Versuch

In der Schweiz sperrte der Sozial- und Wirtschaftspsychologe Dominik Orth Facebooknutzern vor ihren Augen die Zugänge, um herauszufinden, wie sehr die Onlinenutzung in das reale Leben reicht und es gefährdet. Manche Probanten verglichen das Gefühl, das sie beim Sperren des Zugangs verspürten, als vergleichbar mit dem Tod der eignen Mutter. Viele Menschen würden für das Login viele Dinge des Alltags vernachlässigen, nur das Verlangen nach Schlaf und Sex sei stärker, so Orth.

 

„Such dir Hilfe!“

Wer ein solches Verhalten bei sich beobachtet, sollte sich Hilfe suchen, denn sonst kann es auf Dauer unabsehbare negative Konsequenzen für den Betroffenen haben. Man sollte die Abhängigkeit auf jeden Fall nicht unterschätzen!

„Der Süchtige raubt sich seine Freiheit selbst.“

(von Prof. Dr. med. Gerhardt Uhlenbruck (*1929), deutscher Immunbiologe und Aphoristiker)

 

Therapien und andere Möglichkeiten zur Hilfe

„Was kann ich machen, wenn ich merke, dass ich selbst oder Personen aus meinem Umfeld vielleicht süchtig nach dem Internet oder sozialen Netzwerken sind?“

Als Erstes kann man einen Selbsttest machen, der oft Aufschluss über das eigene Verhalten gibt und zeigt, ob man süchtig ist oder nicht. Viele dieser Tests werden im Internet anonym angeboten, aber auch in Sucht- und Drogenberatungsstellen kann man sich einem solchen Test unterziehen. Eine wichtige Frage ist dabei, ob man sich vorstellen kann, einen Tag lang ohne soziale Netzwerke und das Internet auszukommen. Wenn dieser Test beunruhigend ausfällt, sollten sich Betroffene besser professionelle Hilfe holen. Ähnliche Tests wie bei Süchtigen werden auch für besorgte Eltern angeboten, um eine mögliche Gefährdung ihrer Kinder zu entdecken.

Eine drohende Onlinesucht kann schon frühzeitig erkannt werden, vor allem, wenn man von Angehörigen oder Freunden auf die lange Nutzung des Internets angesprochen wird. Dies sollte ein erstes Alarmzeichen sein. Um Betroffenen zu helfen, kann man auch als Freund oder Angehöriger in das süchtige Verhalten eingreifen, indem man über ein freundschaftliches Verhältnis als Basis beginnt und dann passiv agiert. Wenn man aktiv etwas unternimmt, wird man meistens von der süchtigen Person abgeblockt und zurückgewiesen.

 

Eine spezielle Therapie der Mainzer Ambulanz für Spielsucht

Im Jahr 2008 haben Psychologen der Mainzer Ambulanz für Spielsucht eine spezielle Therapie für Onlinesüchtige entwickelt, die die erste Hilfe dieser Art für Betroffene darstellt. Seitdem helfen sie Abhängigen, sich aus ihrer virtuellen Welt zu befreien, indem sie in Gruppen mit ihnen zusammen die Sucht bekämpfen. In Mainz haben schon mehr als 200 Menschen eine Therapie begonnen.

 

Der erste Schritt für Betroffene, die sich in Mainz professionelle Hilfe holen wollen, sollte es demnach sein, die Notfallhotline der Ambulanz für Spielsucht anzurufen, die man bundesweit erreichen kann. Auf den Anruf folgt dann ein „diagnostisches Erstgespräch“. Mithilfe eines Fragebogens wird dann ermittelt, ob die Betroffenen tatsächlich Anzeichen einer Sucht aufweisen.

„Zuerst geht es darum, die Sucht zu verstehen. Dann müssen die Patienten erkennen, warum sie süchtig geworden sind und schließlich eine Strategie für den Weg aus der Sucht finden und entwickeln. Die Einzeltermine in der Klinik in Mainz sind für die speziellen Probleme jedes Einzelnen da. Dort werden die ganz intimen Dinge besprochen.“, so die Psychologin Christina Jo. „In den Gruppentherapiestunden hören sich die Betroffenen dagegen gegenseitig zu und geben einander Tipps, wie sie sich aus der virtuellen Welt befreien können.“

In dieser Zeit müsse man sich wirklich mit seiner Sucht und sich selbst auseinandersetzen.

Die Patienten sollen auch ein Onlinetagebuch führen. Dieses helfe, sich zu kontrollieren und stärke die Selbstbeobachtung. Außerdem gibt es Sportkurse für die alternative Freizeitgestaltung sowie Rollenspiele.

 

Oft sagten die Betroffenen in der Therapie: „Im Netz bin ich wer!“ Die Patienten sollten dort einen neuen Blick auf sich selbst bekommen, denn die meisten fühlten sich nicht attraktiv und seien gehemmt im Umgang mit anderen Menschen. Gerade das mache sie auch so anfällig für eine Internetsucht. Bei Menschen, die sich in der virtuellen Welt verlieren, treten häufig auch noch zusätzliche Erkrankungen auf. Oft würden Onlinesüchtige auch unter Angststörung oder einer Depression leiden. Möglicherweise könne dies dann auch die Ursache der Internetsucht gewesen sein. Die Betroffenen müssten sich auch von dem Onlineprofil bei Facebook oder anderer sozialer Netzwerke verabschieden und emotionalen und psychischen Abstand gewinnen, damit man auch nach der Behandlung weiterhin ins Netz gehen kann, ohne die Sucht wieder aufzunehmen. „Man soll nur nicht mehr auf die Seiten gehen, nach denen man einmal süchtig war.“, so die Psychologin.

„Denn das Netz können wir heute nicht mehr meiden, wie es zum Beispiel bei Alkohol oder anderen Süchten der Fall ist. Völlige Abstinenz vom Internet gibt es also nicht!

 

Zwar würden einige Patienten die Therapie abbrechen, aber rund 80 Prozent der Patienten hätten die Therapie der Ambulanz für Spielsucht (erfolgreich) abgeschlossen und ihren Internetkonsum zumeist stark eingeschränkt, so die Experten der Ambulanz. „Man muss jedoch immer selbst die Stärke und den Willen besitzen, aus der Sucht herauszukommen.“

 

Laut den Experten müssten bei jugendlichen Betroffenen auch häufig die Eltern in die Therapie mit einbezogen werden, da gegebenenfalls das Vertrauen zwischen Kindern und Eltern gestört ist und neu aufgebaut werden muss. Bei Ehepartnern müsste man unter Umständen eine Eheberatung veranlassen, um gemeinsame Strategien zur Abhängigkeitsbewältigung wie auch zur Rettung der Beziehung zu finden.

Auch für Angehörige gebe es spezielle Gruppenangebote und Selbsthilfegruppen, um den Umgang mit dem Süchtigen und der Sucht zu erlernen und das Verhalten zu verstehen.

 

Da das Netz immer facettenreicher wird und immer mehr Möglichkeiten bietet, wird es auch immer gefährlicher! Deshalb sollte man die Onlinezeit begrenzen und gezielt in der vorgegebenen Zeit arbeiten.

Den Betroffenen müsse immer wieder aufs Neue ein selbstverantwortlicher Umgang mit dem Medium Internet gelernt werden, so Jo.

Geholfen werden kann in der Mainzer Ambulanz aber alle denen nicht, die die sozialen Netzwerke auf andere Art und Weise krankmacht, zum Beispiel bei depressiven Verstimmungen, wenn auf eine Statusmeldung kein Kommentar folgt. Andere werden gemobbt und es können sich auch Burn-outs ergeben, wenn man seinen verschiedenen Identitäten nicht mehr gerecht werden kann in Verbindung mit den Anforderungen im realen Leben.

 

Weitere Hilfsmöglichkeiten

Es gibt auch noch viele weitere Einrichtungen, die Therapien anbieten. Man findet die meisten Adressen und Ansprechpartner im Internet sowie spezielle Hotlines, bei denen man anrufen kann und sich Hilfe holen kann. Viele Informationen und Hilfestellungen findet man auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

 

Insgesamt gibt es bundesweit jedoch nur wenige Einrichtungen, die über spezielle Therapieangebote verfügen, wie zum Beispiel die oben genannte Uniklinik in Mainz, das Institut für medizinische Psychologie der Charité Berlin oder die Drogenambulanz der Uniklinik Hamburg-Eppendorf. Auch mehrwöchige stationäre Klinkiaufenthalte sind möglich.

Des weiteren kommt bei der Therapie der Sucht Selbsthilfegruppen eine sehr große Bedeutung zugute.

„Wenn wir ein Mittel gegen die „Sucht“ finden sollen, so wird es nur die Weisheit sein.“

(von Alexander Golfidis)

 

Die Facebook-Sucht im Speziellen

Laut einer Umfrage auf menshealth.de sind fast alle Männer Mitglieder von Online-Netzwerken und 45 Prozent gaben an, sich auch abhängig von Facebook zu fühlen. Unter 1.515 Teilnehmern gaben 96 Prozent an, Mitglied bei einer Internetgemeinschaft zu sein. Das mit Abstand beliebteste soziale Netzwerk war demnach Facebook, in dem sich 95 Prozent der Befragten aufhalten. Youtube stand mit 41 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Google+ mit 16 Prozent. Mindestens einmal pro Tag besuchten 55 Prozent der Befragten ein soziales Netzwerk, am häufigsten Facebook. 21 Prozent gaben an, stündlich dort zu sein und 16 Prozent seinen sogar mehrmals pro Stunde in sozialen Netzwerken aktiv. 45 Prozent gaben demnach auch an, sich von ihrem Online-Netzwerk abhängig zu fühlen.

 

Kommunikationssucht/ Chatsucht

Menschen, die von der Facebook Sucht betroffen sind, leiden an einer Art Kommunikationssucht. Sie suchen in einer Art Wahn nach neuen „Freunden“, die sie zu ihrem Profil hinzufügen können. Sie chatten oft mit diesen Usern, sodass man bei der Facebook Sucht auch von einer Art Chatsucht ausgehen kann. Facebook gilt hier nur als Beispiel für viele andere Social Networks, die Menschen in ihren Bann ziehen können. Eine magische Anziehungskraft wird ausgeübt, die am Ende oft in der Sucht endet. Von einer Facebook Sucht spricht man dagegen am meisten, da dieses Netzwerk mit über einer Milliarde Mitgliedern das beliebteste und meist besuchte soziale Netzwerk der Welt ist.

 

Informationssucht

Auch eine Art Informationssucht kann Ursache für die Facebook Sucht sein. Täglich wird man dort mit einer Fülle von Informationen aus allen Lebensbereichen überrollt, die man auch für sich selbst nutzen kann und sich dadurch über vieles auf dem Laufenden halten kann. Man ist sozusagen immer „up to date“. Auf der eigenen Pinnwand erscheinen immer wieder aktuelle Meldungen aus Gruppen, in denen man Mitglied ist, sodass man immer weiß, was gerade passiert. Man verpasst beim ständigen Nachschauen nichts. Viele Menschen können auf diese Informationsflut heute nicht mehr verzichten.

 

Sucht nach Computerspielen

Spiel bei Facebook: "Farmville"
Spiel bei Facebook: "Farmville"

In der Facebook Sucht ist auch die Sucht nach Computerspielen beinhaltet. Facebook bietet seinen Usern die Möglichkeit, an verschiedenen Spielen teilzunehmen. Das bekannteste dieser Spiele ist wahrscheinlich „Farmville“. Bei diesem Spiel muss man in die Haut eines Farmers schlüpfen, der sich täglich um seine Farm kümmern muss und ähnliche Aufgaben übernimmt wie ein richtiger Bauer. Allein dies fördert die Sucht, da man so dazu gezwungen ist, sich täglich mit der Farm zu befassen, sich also immer wieder und jeden Tag bei Facebook einzuloggen, wenn man das Spiel gewissenhaft spielen will.

 

„Wie oft loggst du dich bei Facebook ein?“ – die Anzeichen für eine Sucht

Deshalb stellt die Facebook Sucht ein großes und ernsthaftes Problem dar. Als Anzeichen für die Sucht gilt das mehrfache und tägliche Einloggen ins Social Network. Ein weiteres Anzeichen für eine Sucht können Nervositätserscheinungen sein, wie zum Beispiel Unruhe oder schwitzende Hände, wenn man länger nicht die Möglichkeit hatte, sein Facebookprofil zu überprüfen.

 

Folgen der Facebook Sucht

Diese Sucht beeinflusst viele Nutzer auch in ihrem alltäglichen Leben. Die Ruhe beim Arbeiten oder Studium ist nicht mehr vorhanden und in der Freizeit müssen viele ihre Aktivitäten unterbrechen, um mal schnell ins Netz zu gehen und zu sehen, was sich in Facebook verändert hat.

 

„Wie komme ich wieder da raus?“

Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind von der schleichenden Sucht betroffen. Um dagegen anzukämpfen, benötigt man meistens psychologische Unterstützung. Alleine kommt man gegen diese Sucht jedenfalls nicht an und sollte sich deshalb unbedingt am besten einen Freund zur Hilfe holen, der mit dem Betroffenen gemeinsam den Besuch bei einem Profi vereinbart und ihn dabei unterstützt, von der Sucht loszukommen. Das Löschen des Profils wäre der sicherste Weg, der Sucht zu entkommen, doch es ist auch sehr radikal! Die Facebook Sucht stellt aber in jedem Fall eine Gefahr dar, gegen die man kämpfen muss!

 

„Muss das sein?“

Kritisch ist auch, dass man sich bereits mit 13 Jahren bei Facebook anmelden kann, so Experten und Psychologen. Bei den meisten Jugendlichen ist die Persönlichkeitsfindung zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen – erst mit 18, 19 oder 20 Jahren. Dadurch wird das Suchtrisiko nochmals für die jüngeren Nutzer erhöht!

 

Quelle des Textes über die Facebook Sucht: http://www.danielplaikner.com/facebook-sucht/facebook-sucht.html

 

Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 28.04.2012.
Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 28.04.2012.

Beispiel eines Betroffenen der Sucht

Ein Screenshot von der Internetseite: http://www.danielplaikner.com/facebook-sucht/facebook-sucht.html.
Ein Screenshot von der Internetseite: http://www.danielplaikner.com/facebook-sucht/facebook-sucht.html.

Wie kann man eine Sucht nach dem Internet und sozialen Netzwerken vermeiden?

„Begrenze die Zeit im Netz, achtet aufeinander und seid Vorbilder!“

Um dieser Sucht zu entfliehen bzw. um sie erst gar nicht zu erlangen, sollte man seine Zeit in diesen Netzwerken begrenzen und nicht immer online sein.

„Ein stabiles Selbstwertgefühl und Anerkennung im realen Leben schützen vor einer Internetsucht. Wenn Eltern ihre Kinder vermitteln können, dass sie geliebt werden und trotz Niederlagen in der Schule oder persönlichen Beziehungen wertvolle Menschen sind, kann dies ein bereits wichtiger Schritt zur Vorbeugung eines Suchtverhaltens sein“, so die Psychologin der Uniklinik Mainz, Frau Jo.

 

Eltern sollten auch ein gutes Vorbild für die Kinder sein. Regelmäßiges Lob und ein erfüllendes Hobby sowie eine realistische und erstrebenswerte Lebensperspektive sorgten dafür, dass die reale Welt zu einem Ort gemacht wird, vor dem Jugendliche nicht fliehen möchten. Wichtig sei es auch vor allem für Eltern, die Mediennutzung ihrer Kinder zu beobachten. Dies sei leichter, wenn der Computer nicht im Kinderzimmer steht, sondern in einem Raum, der für alle zugänglich ist und an dem die Eltern öfter vorbeigehen. Kinder sollten auch nicht zu früh ein eigenes Smartphone bekommen und auch Zeitlimits bei der Nutzung des Internets und Computers gesetzt bekommen. Eltern sollten sich unbedingt dafür interessieren, was ihre Kinder auf Facebook, Twitter und Co. treiben. Man sollte darüber im Gespräch bleiben und feste Regeln aufstellen. Dies ist die Meinung vieler Experten!

 

„Bleib in der Realität und pflege deine Kontakte!“

Wenn man einmal einen Selbsttest startet und eine längere Zeit lang auf die sozialen Netzwerke verzichtet, wird man mit der Zeit merken, wie befreiend dies sein kann, nicht ständig erreichbar zu sein. Wenn jemand etwas Wichtiges von der Person möchte, kann er auch einfach anrufen.

 

Das Netz kann auch enorm ablenken, zum Beispiel in der Schule, auf der Arbeit oder beim Treffen mit Freunden, was somit eine Gefahr darstellt. Man muss sich dann entscheiden zwischen dem Unterhalten und Zusammensein mit Freunden oder mit denen zu schreiben, die gerade nicht da sind. Wenn man mit Freunden unterwegs ist, sollte man öfter mal das Handy weglassen, um sich voll und ganz auf die Person einzulassen, mit der man gerade unterwegs ist, und nicht immer zwischen zwei „Welten“ hin und her switschen.

„Einem anderen gehöre nicht, wer sein eigener Herr sein kann!“

(von Philippus Aureolus Theophrastus Paracelsus (1493 - 1541))

 

Gesellschaftliche Sichtweise auf die Suchterkrankungen

„Ist das noch normal?“

Auch die Gesellschaft muss sich kritisch mit der bisherigen Einstellung auseinandersetzen und festlegen, wie sie ein bestimmtes Verhalten bewerten möchte – entweder es ist noch normal oder schon krankhaft! Da sehr viele Menschen in sozialen Netzwerken angemeldet sind – bei Facebook sind es schon über eine Milliarde Menschen, bei Twitter sind es mehr als 500 Millionen – und sich viele dieser User jeden Tag mindestens einmal bei einem sozialen Netzwerk anmelden, muss man die Grenze der Sucht hier immer individuell ziehen und sich genau mit der einzelnen Person auseinandersetzen. Man kann nicht genauso vorgehen wie bei anderen Süchten, wie zum Beispiel der Alkoholsucht.

 

Sensibilisierung

Noch fehlt die Sensibilität der Gesellschaft, dass auch das Internet und der Druck durch den Freundeskreis, immer „up to date“ zu sein, zur Sucht führen können. Man muss mit der Zeit gehen, die Toleranzgrenze muss aber auch immer wieder neu gezogen werden! Damit sollte sich die Gesellschaft auch befassen, Hilfe leisten und keinen am Rande der Gesellschaft stehen lassen, nur weil es ein neues Phänomen ist, das man noch nicht gut kennt. Auch die Mainzer Forschungsambulanz möchte die Gesellschaft noch mehr für die Internetabhängigkeit sensibilisieren und das wenige vorhandene Wissen erweitern.

 

Jeder Einzelne ist deshalb auch meiner Meinung nach gefragt, sich Gedanken zu machen und seine eigene Position zu finden.

 

"Interview" mit Frau Dipl. Psychologin Bettina Moll von der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf

Bei meinen Recherchen zum Thema „Sucht nach Social Networks“ bin ich auch zu der Idee gekommen, dass ein Interview mit einem Experten meine Recherchen abrunden würde. Deshalb habe ich die folgende Mail verfasst und an neun verschiedene Personen und Unikliniken in Deutschland verschickt:

 

Auf meine E-Mail hat mir Frau Dipl. Psychologin Bettina Moll von der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf sehr nett geantwortet und meine Fragen dabei erläutert. Als Expertin für Suchtverhalten im Netz und in sozialen Netzwerken hat sie die wichtigsten Punkte zu den einzelnen Fragen sehr präzise aufgeschrieben und mir dadurch einen weiteren Zugang zum Thema aus "praktischer Sichtweise" geöffnet.

 

Im Folgenden möchte ich nun das Interview mit meinen Fragen sowie den Antworten der Expertin, Frau Bettina Moll, darstellen:

 

1. Wann kamen die ersten Personen mit der Sucht nach sozialen Netzwerken zu Ihnen?

 

Frau Moll: „Seit 2006 behandeln wir zunehmend Jugendliche mit einem pathologischen Internetgebrauch. In der Anfangszeit waren das vor allem Shooter- oder WOW-Gamer. In den letzten Monaten beobachten wir allerdings eine Veränderung. Nun wenden sich vermehrt Menschen an uns, die über die Maßen Zeit in sozialen Netzwerken verbringen.“

 

2. Welche Erfahrungen haben Sie schon mit Personen gemacht, die süchtig nach sozialen Netzwerken sind? Mit welchen Symptomen kamen die Menschen zu Ihnen?

 

Frau Moll: "Symptome von pathologischem Internetgebrauch sind unterschiedlich: der innere Drang, Schwierigkeiten diesen zu kontrollieren, Missstimmung, wenn der Zugang zum Internet nicht möglich ist, bis hin zu Depressivität und Ängstlichkeit sowie Verschlechterung der schulischen/beruflichen Leistungsfähigkeit."

 

3. Wie kann man diesen Menschen am besten helfen und sie "heilen" bzw. wie lange dauert eine solche Therapie?

 

Frau Moll: "Nach dem Abschluss der Diagnostikphase kann eine Weiterbehandlung in unserer Gruppe "Lebenslust statt Online-Flucht" erfolgen. Dieses Therapieangebot dauert acht Wochen plus ein Vorgespräch und ein Nachgespräch."

 

4. Wie schätzen Sie die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Sucht ein?

 

Frau Moll: "Die gesellschaftliche Akzeptanz ist größer als bei stoffgebundenen Süchten. Ohne Internet, und auch soziale Netztwerke, scheint nichts mehr zu gehen. Das Problembewusstsein stellt sich erst später ein."

 

Durch dieses „Interview“ konnte ich den Blickwinkel auf das Thema „Sucht in sozialen Netzwerken“ noch erweitern und gleichzeitig durch die Meinung einer Expertin vertiefen. Dafür möchte ich mich hiermit nochmals recht herzlich bei Frau Dipl. Psychologin Moll für ihre Bemühungen und ihre Zeit bedanken!

 

Ausblick für die Zukunft

Anke Quack, Mitarbeiterin der Ambulanz für Spielsucht in Mainz, ist der Meinung, dass es noch ca. fünf bis zehn Jahre dauern kann, bis exzessiver Internetgebrauch als Sucht anerkannt wird. Experten sprechen von der Internetsucht deshalb auch als Sucht der Zukunft, weil die Forschung noch ganz am Anfang steht.

Deshalb ist es sehr wichtig, Angebote für Betroffene zu schaffen, wie zum Beispiel die Entwicklung und flächendeckende Einführung von effizienten Beratungs- und Therapiemöglichkeiten von Verhaltenssüchten. Auch die Forschungsförderung für Therapie- und Verhaltenssüchte muss ausgebaut werden. Um die Sucht erst zu vermeiden, sollte man auch einen reflektierten und kompetenten Umgang mit Neuen Medien in Schulen und Ausbildungsstätten fördern, bezüglich neuer Verhaltenssüchte Aufklärung leisten und gesetzliche Regelungen einführen, damit jedem Menschen auch wirklich geholfen werden kann und es nicht an finanziellen oder anderen Mitteln scheitert.

 

Fazit

In meinem ursprünglichen Konzept für dieses Projekt wollte ich eigentlich auch eine süchtige Person befragen und aus ihrer Sicht etwas zu diesem Thema schreiben. Die Suche nach einer solchen Person gestaltete sich jedoch sehr schwierig, da es einige Personen gab, die behauptet haben, dass sie süchtig seien. Beim genaueren Hinsehen jedoch wurde schnell klar, dass dies nicht wahr war. Ich habe die Personen nach den Kriterien des „Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters“ (DZSKJ) befragt und dabei konnten wirklich einige Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, aber wenn es dann um die wirklich wichtigen Punkte ging, stellte sich schnell heraus, dass man nicht süchtig ist und alles zum Glück noch „normal“ ist. Dabei denke ich jedoch, dass die Personen, die wirklich süchtig sind – und ich bin mir nach meinen Recherchen sicher, dass es diese gibt – sich nicht outen werden bei einem derartigen Test und dann lieber mit „Nein“ antworten, anstatt sich die Blöße vor anderen Menschen zu geben und es sich selbst einzugestehen. Dafür gehören auch sehr viel Mut, Selbstvertrauen und eigene Überzeugung, dass man zu einem solchen Schritt bereit ist und sich einem Psychologen anvertraut! Deshalb bin ich der Meinung, dass man diejenigen, die sich die Sucht eingestanden haben und nun Hilfe suchen nicht alleine lassen und schief anschauen, sondern ihnen helfen und Anerkennung entgegenbringen sollte! Die Angst vor der Reaktion der Gesellschaft und der Personen im direkten Umfeld stellt ein sehr großes Problem bei der Bekämpfung der Sucht dar. Wie soll man auch als Angehöriger und Freund reagieren und helfen? Dies und weitere Fragen müssen noch mehr in Schulen, Ausbildungstätten usw. behandelt werden, damit man im betreffenden Moment richtig handeln kann und nicht riskiert, dass sich die Person, die sich einem anvertraut hat, noch mehr verschließt. Wir müssen einsehen, dass immer mehr Menschen von der Sucht betroffen sind und die Quote der Betroffenen auch in der Zukunft stark ansteigen wird! Dafür sollten geeingnete Maßnahmen getroffen werden!

Es hat mir trotzdem aber auf jeden Fall viel Spaß gemacht, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ich habe vieles gelernt. Man wird jetzt wahrscheinlich mit offeneren Augen durch die Welt gehen und mehr darauf achten, was andere Menschen tun und wie lange und mit welcher Intensität sie das Internet benutzen!

 

Eigene Erfahrungen

Auch ich selbst habe gemerkt, dass immer mehr Menschen immer öfter in sozialen Netzwerken aktiv sind. Auf einer Klassenfahrt wurde mir dies nochmal besonders bewusst, da viele meiner Mitschüler immer wieder das McDonalds in Cannes an der Côte d’Azur aufsuchten, um sich ins WLAN-Netz einzuloggen, erst einmal die Mails zu checken und dann zu sehen, was es so Neues gibt und wer was gepostet hat. Vor dem Laden konnten wir dann Stunden verbringen und alles um die Personen herum wurde unwichtig. Besonders junge Menschen zwischen 13 und 30 konnte man dort beobachten.

 

Da ich persönlich in keinem sozialen Netzwerk vertreten bin – weder Twitter noch Facebook noch WhatsApp – fiel es mir anfangs sehr schwer, ein gutes Thema für dieses Projekt zu finden. Die Themen Bundestagswahlen, die Verlagerung der arabischen Protestbewegung ins Netz usw. waren für mich am Ende ohne Zugang zu diesen Medium nicht möglich. Deshalb haben wir uns als Gruppe dafür entschieden, auch mal die negativen Seiten der sozialen Netzwerke darzustellen und die Menschen damit zu sensibilisieren.

 

Natürlich hätte ich mich auch in Facebook anmelden können, dazu habe ich bisher aber noch nicht den Drang verspürt – was ich wissen will, kann ich persönlich erfahren und was ich verpasse, wird nicht so wichtig sein. Wenn etwas wirklich von großer Bedeutung ist, dann bekomme ich es auch irgendwie mit! Nachteile sind zum Beispiel, da man oft ausgeschlossen ist von Dingen, die sich die anderen über den Tag hinweg nach der Schule geschrieben haben und am nächsten Tag dann nicht mitreden kann. Vorteile für mich sind jedoch, dass man immer wirklich mit den Personen im Gespräch ist und damit zeigt, dass sie einem wichtig sind und man sich für die interessiert. Die Menschen, die man kennt, sind auch oft wirkliche Bekannte und Freunde.

 

Ein Beispiel, bei dem eine Mitgliedschaft in einem sozialen Netzwerk jedoch sinnvoll gewesen wäre, war, als wir in der Schule für den Unterricht Kuchen backen sollten. In der Zeit hatten wir für die Schule und für Klausuren sehr viel zu tun. Alle anderen haben sich untereinandergeschrieben und ausgemacht, dass sie das Gebäck am folgenden Tag nicht mitbringen, sondern den Termin verschieben wollten. Eine Mitschülerin und ich haben dies aber mangels sozialer Netzwerke nicht mitbekommen und haben einen Kuchen gebacken. Dies bedeutete auch viel zusätzliche Arbeit und Zeit, die wir sehr gut für andere Dinge hätten gebrauchen können!

 

„Sind soziale Netzwerke nun Sucht oder Segen?“

Um auf meine Anfangsfrage „Soziale Netzwerke – Sucht oder Segen?“ zurückzukommen, muss ich sagen, dass soziale Netzwerke für mich beides darstellen. Zu einer Sucht kann es werden, wenn man sich selbst nicht kennt und sich im Netz verliert. Durch die große Fülle von Informationen kann man leicht süchtig werden und die Kontrolle über sich selbst verlieren. Dann wird es zur Gefahr! Ein Segen stellt es jedoch für diejenigen dar, die sich kennen und nicht im Netz verlieren. Wenn man verantwortungsvoll mit den sozialen Netzwerken umgeht, kann man viele neue Freunde in der ganzen Welt kennenlernen und eine Masse an Informationen erlangen. Dies kann dann durchaus zum Segen für die User von sozialen Netzwerken werden und zu einer Berreicherung für den Alltag!

 

„Ich sehe den Abhängigen als Sucher; allerdings einen mißgeleiteten. Der Süchtige ist ein Mensch auf der Suche nach Lebensfreude, vielleicht sogar auf der Suche nach einer transzendenten Erfahrung - und ich möchte betonen, daß diese Art der Suche außerordentlich positiv ist. Der Süchtige sucht zwar am falschen Ort, aber er strebt nach etwas sehr Wichtigem, und wir können es uns nicht leisten, dieser Suche keine Beachtung zu schenken.“

(ein Zitat von Deepak Chopra aus „Wege aus der Sucht“)